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Inspiration wie von Geisterhand

Dieser Artikel richtet sich an euch Künstler, egal mit welchem Material ihr arbeitet, welche Geschichten ihr erzählt. Ein wenig Daily-Talk.

Gestern ist mir etwas seltsames passiert. Es war ein wirklich, wirklich blöder Tag. Aufgewacht bin ich von einem Alptraum, in dem ich mich selbst nicht mehr erkannte, weil ich schreckliche Dinge tat. Aber auch sehr private Gedanken füllten den Teerkessel in meinem Gehirn, in dem ich nun den gesamten Tag über feststeckte.
Viele Dinge wollten gestern einfach nicht klappen wie sonst.

Leidlich fanden wenige Informationen von außen den Weg in mein Bewusstsein, um es zu verändern. Dennoch gab es diesen magischen Moment.

Die meisten Menschen, die mich kennen gelernt haben, verbuchen mich mit dem Etikett „Schriftsteller“. Nicht, weil ich es ihnen auftrage, sondern weil sie das einfach in mir sehen. Und so ist es nicht verwunderlich, dass ich mich wirklich gern in Diskussionen um gute Literatur verwickeln lasse. Diese eine Diskussion brachte mich zu einem Interview aus dem Jahr 2014 mit einem sehr „gewöhnlichen“ Menschen: Dem japanischen Kult-Autor Haruki Murakami.

Schriftsteller-Geheimnisse

Das Interview (nachzulesen hier) ließ in mir sofort das Bild eines hochsensitiven Menschen entstehen, obgleich er selbst davon nicht viel zu wissen scheint.
Er spricht von „der anderen Seite“. Von Vorstellungskraft. Und von der Überwindung der Körpergrenze, damit der Geist in wesentlichen Stunden frei sein kann. Murakami ist kein Heiliger. Aber er versteht es, aus Worten Magie zu machen. Seine Bücher muten zuweil skurril an, die Geschichten wie auch die Protagonisten umgibt eine ganz eigene Sphäre.

Warum das so ist?
Murakami sagt, seine Figuren kommen zu ihm, ohne dass er dafür etwas tun muss. Sie melden sich plötzlich, sind einfach da und möchten, dass ihre Anwesenheit mit einer Notiz oder einer ausführlichen Beschreibung honoriert wird. Denn diese Wesen haben eine Botschaft – jede einzelne.
Ob es Wesen aus anderen, realen Welten sind, vermag ich nicht zu sagen. Dennoch kenne ich das Gefühl, plötzlich von einer Figur umgeworfen zu werden: „Du schreibst das jetzt!“ Wenn sie nicht da sind, mit mir sprechen, kann ich weder sie selbst kennen lernen, noch ihre Geschichte vor dem Schreiben ergründen.
Mir passiert es nicht oft. Und so hangele ich mich an Geschichten entlang, über Jahre, die einfach Zeit brauchen. Kommunikation kann unter widrigen Bedingungen schwierig werden. Es verläuft nämlich ähnlich wie Channeling, mit dem Unterschied, dass ich nicht weiß, ob diese Wesen wirklich existieren. Dennoch bin ich dankbar, dass sie mir einen Einblick in ihre Welt gewähren.

Gute Autoren zeichnen sich eben durch diese Eigenschaft aus: Nicht sie machen die Geschichte, nicht sie haben die Idee; die Geschichten bestimmen selbst, wer sie schreibt.

Ich will auch Kunst machen!

Eigentlich wollte ich damit das Thema ruhen lassen. Für mich bleibt der Einfluss dieses Menschen, dass ich auf dem richtigen Weg bin.
Und plötzlich wusste ich es: Ich muss mir seine Worte notieren!

Aber nicht einfach so. Es war, als bekäme ich einen kleinen Tritt in den Hintern von meinem eigenen inneren Schweinehund. Ich wollte Kunst machen, jetzt! Also begab ich mich wieder an den PC, öffnete mein Bildbearbeitungsprogramm und begann, eine möglichst inspirierende Grafik zu erstellen. Speichern. Nochmal anschauen.
Nö! Sie spiegelte nicht das wieder, was ich ausdrücken wollte. Auch, wenn die Worte nicht von mir selbst stammten, so wollte ich daraus etwas eigenes machen. Keine Chance.
Ich spürte, dass ich grundlegend etwas falsch gemacht hatte: Ich habe versucht, etwas von einem anderen zu kopieren, mich an seiner Schaffenskraft zu orientieren.

Wenn wir die Muse lassen, dann kreiert sie ganz eigene Ausdrucksformen. Dann fühlt sich alles richtig und stimmig an. Nicht unbedingt muss das Ergebnis auch von anderen so interpretiert werden, wie man es selbst sieht. Trotzdem kann sich dieser kleine Erfolg lohnen.

Und so entstand aus meiner Grafik-Session mit einigen Experimenten ein Bild, wie ich es früher niemals erarbeitet hätte:

Shadow in Rainbowlands Grafik
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Shadow in Rainbowland drückt meine gesamte innere Haltung aus. Ich bin selig, weil ich endlich eine neue Sprosse auf meiner Lebensleiter erklommen habe. Aber da oben, da warten die Zweifel. Werde ich es schaffen? Wird alles so kommen, wie ich es mir erhoffe? Unwägbarkeiten gibt es immer.

Was seht ihr darin? Könnt ihr euch ein wenig damit identifizieren oder strahlt das Bild für euch etwas völlig anderes aus? Lasst es mich wissen! :)

PS: Ebenfalls enorm inspiriert hat mich gestern die Arbeit von Porfirio Jimenez aus Mexiko, der unglaublich atmosphärische Bilder mit Graffiti erstellt. Es ist unglaublich!



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